Mittwoch, 14. Dezember 2011

Vergessen

- Feuer! Ich bin in der Hölle!

Vergiss das! Gib diese Erinnerung auf. Sie ist unproduktiv.
Lass es. Geh ins Wunderland.

- Ich kann nicht. Ich bin gefangen... im Früher.


Nein, Alice! Lösche diese Wahnvorstellung.
Vergiss sie. Geh ins Wunderland.

- Lieber nicht, Doktor. Mein Wunderland liegt in Trümmern.
Für mich ist es tot.
 





/Aber ich will vergessen! 
Wer will denn allein sein, gefangen in den Trümmern seiner Erinnerungen?/


Alice: Madness Returns

Dienstag, 13. Dezember 2011

Just as it comes, it goes;
you cannot hold on to it,
you cannot cling to it.
The breeze comes like a whisper.
It does not make noise,
it does not make proclamations;
it comes In very silently,
you cannot hear it-
suddenly it is there.
And that's how God comes,
truth comes,bliss comes,
love comes, they all come in a whisperlike manner,
not with trumpets and drums.
They suddenly come without
even having an appointment,
without even asking you,
“May I come in?"-
they just suddenly come.
And that's how the breeze comes:
One moment it is not there,
another moment it is.

And the second thing:
Just as it comes, it goes;
you cannot hold on to it,
you cannot cling to it.
Enjoy it while it is there,
and when it goes, let it go.
Be thankful that it came.
Don't hold any grudge,
don't complain.
When it goes,
it goes-nothing can be done about it.

But we are all clingers.
When love comes,
we are very happy,
but when it goes we are very hurt.
That is being very unconscious, ungrateful - misunderstanding.
Remember, it comes in one way,
now it is going in the same way.
It did not ask to come...
why should it ask now if it can go?
It was a gift from the beyond, mysterious,
and it has to go in the same mysterious way.
If one takes life as a breeze,
then there is no clinging,
no attachment, no obsession,
one simply remains available,
and whatever happens is good.

Osho
 

Freitag, 9. Dezember 2011

Wie weißes Papier

Niin kuin paperi. Ich kaufe immer wieder Notizbücher. Farbig bedruckt, obenauf besondere Muster, mit Stoff, aus Leinen, im exotischen Stil, im Fernländerstil - von außen. Und innen: Ganz weiß.

Du hast gesagt, ich sei aus Gold. Und dass ich allein heimgehen kann, wenn ich will. Ich wollte nicht. Aber ich kann allein heimgehen, wenn ich will. Ich sagte: "Ich bin hier nicht zu Hause." Vielleicht hast du dich weggesetzt oder gelacht, vielleicht hast du gesagt: "Hm." oder "Ok." Du hast oft Ok gesagt. Als ich dir Schokolade gekauft habe. Als du mir den Duschmotor eines Hornetfliegers erklärt hast. Als du dachtest, du könntest kein Unteroffizier sein. Als ich dir schrieb wie froh ich bin, dich zu kennen. Hm. Das ist Ok. Dir geht's Ok. So wie immer. Niin kuin aina. Niin kuin valkoinen paperi. Wie weißes Papier. Ich weiß alles über Duschmotoren.

Ich schreibe nicht gern in schöne Notizbücher mit weißen Seiten. Sie sind zu besonders, zu wertvoll, zu schön. Ich hebe sie auf. Jahrelang. Bis ich ausversehen Kaffee darauf verschütte, oder Leim.

Ich habe goldene Sterne auf dein Geschenkpapier geklebt. Die Sterne sind mir beim Kleben dauernd vom Tisch gefallen. Einfach so. Sie waren überall. Ich habe sie alle wieder aufgelesen. Du sagtest, ich sei aus Gold und "Ok." und "Hm." und
"Du solltest kehren, hier liegt irgendwas."

Goldenes.

Jotain kultaista.

Und dann hast du mir die Relativitätstheorie erklärt. Ich dachte daran, zu weinen. Einfach so. Wer mit Lichtgeschwindigkeit fliegt, altert langsamer. Für ein gutes Feuer braucht es das richtige Holz. Eigentlich bist du aus Gold, Jultsu.

Ich weiß alles über Relativität. Über die finnische Luftwaffe. Über Duschmotoren. Und nichts davon hat mich gemeint, mit nichts davon hast du mich beschrieben.

Nicht wie Gold. Sondern: niin kuin paperi. Wie Papier.
Einfach nur wie schönes, weißes Notizpapier war ich für dich.

Ich hätte heimgehen sollen,
aber ich war nicht zu Hause.

Mittwoch, 7. Dezember 2011

Entträumt

Alter Traum, endlich
verschlief ich dich.
Von Dauer sind     
Nächte, Sterne und
schöne Geschichten nicht.

Hielt ich dich heute noch wach, ich stellte
verrostete Zelte ins Land. Du doch
hast dich selbst entworfen und verworfen
und abgebrannt.

Und mit diesen letzten Zeilen
sag ich: Lass mich weitergehn. Ich liebte
den Traum, ja, ich liebte

das Sinken,
das Auferstehn.




* * *



und einmal erhebt sich die welt
wenn du dich vergisst,
zeigt sich, was für ewig ist
/welcher stern in dir nicht fällt/

* * *

Samstag, 3. Dezember 2011

und der Himmel, weiß

Grau die Wolken, ziehen dahin,
wo die Dächer rot sind, doch nicht so rot
wie die davor im dunklen Ast verweilenden Beeren,
wohin hinauf ein Blatt weht. Gelb,
doch nicht so gelb wie einer meint,
der zwischen Haus und Wand durch blinde Pfützen stürzt,
wo jeder Tropfen bleibt ohne Farbe.

Freitag, 18. November 2011

Winter

Schließe jetzt die Lider, wer Augen hat
aus aufgebrochenen Tagen, wie reife Früchte
im Sommer auf den Gartenwiesen.
Halten wir den Duft in Erinnerung, die Farben in uns,
den alten Zaun, dahinter gelbe Felder.
Jetzt liegt alles brach. Still werden wir.
Wir sind der Winter,
seine Kerzen.

Dienstag, 15. November 2011

Es sollte wärmer sein

Es sollte wärmer sein, sage ich mir, während ich die Heizung überdrehe. Da waren irgendwo Fenster, aber vielleicht auch nicht. Ich sehe nichts als Vorhänge, rot. Es sollte warm sein. Die Fenster sind weit offen. Ich weiß das nicht. Ich zähle Blumen. Ich male eine, zwei, drei. Rot, Blau, Rot, Blau. Ich zähle Blumen.
Das muss doch heißen, dass ich noch nicht erfroren bin.

Da ist diese Melodramatik, die durch die Zimmer schleicht. Zum Beispiels nachts: Ich kann nicht schlafen, denn sie sitzt auf meiner Brust und schlingt die Arme um mich. Manchmal weiß ich nicht,ob sie mich erwürgen will, oder umarmen. Vielleicht beides. Ich stehe auf und übergebe mich. Ich esse Brot und lege mich hin. Ich denke, dass die Welt ein Spielplatz ist und dass ich wieder Kind sein sollte, dann wäre es leicht! Also bin ich Kind und wackel mit den Zehen, während ich großartige Ideen habe. Wie ich liebe und loslasse, liebe und loslasse. Ich be-greife die Liebe. Ich bin glücklich. Stark. Zehn Minuten lang. Dann stehe ich auf und übergebe mich. Ich esse Brot, ich trinke Tee. Mir ist kalt. Ich überdrehe die Heizung.
Wenn ich doch nur die Fenster...

Es sollte wärmer sein.

Montag, 14. November 2011

Wind schleicht durch die Stadt,
wer ließ die Tore offen?
Kein Licht, das letzte: Ein Fenster
schlägt ins Haus.
Der Schnee glitzert nicht.
Die Hunde laufen das Pflaster warm.
Man schläft.
Es zieht.

Sonntag, 13. November 2011

Blumen

Schon leise sind die Wiesen, deren Lachen
sich im Sommerwind gewiegt.
Es wischt die Welt sich aus der Welt heraus.
Man wusste von der Abreise der Blumen.

Es wird die Jahresnacht. Kaum hellt es,
geht das Licht sich schon verloren.
Es treibt uns in uns.
Bald scheint ein Lachen unter warmem Dach.
Dann wird es Winter sein und es klingen
die Scheiben in Vorfreude.
Man weiß von der Ankunft der Blumen.

Dienstag, 1. November 2011

Aufgabe (Günter Kunert)

Die Hoffnung aufgeben
wie einen Brief ohne Adresse
Nicht zustellbar
und an niemanden gerichtet

Wie eine Last
Wie jener Marmorblock
der mir immer aufs neue entglitt
bis ich einsah es sei
kein Sinn in der Mühe
ihn wieder und wieder
auf mein besseres Wissen zu wälzen

Eine unheilbare Hoffnung
durch Schmerz zum Schluß
unerträglich
ein eingewachsener Fremdkörper
verkrustet und knochenhart
Unding
das mir nicht gehört und dem ich
nicht gehören will

Die schwerste Aufgabe ist:
aufgeben können
Wer mit der Hoffnung anfängt
hat seine Lektion schon
gelernt.